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Deniz, 23 Jahre, interessiert die Arbeit mit Jugendlichen

Erzieher Deniz

Wer beim Erzieher nur an Kindergarten denkt, hat bei Deniz falsch getippt! "Mich interessiert vor allem die Arbeit mit Jugendlichen", sagt der 23-Jährige. Das letzte Pflichtpraktikum seiner Erzieher-Ausbildung am Berufskolleg Bethel hat er in einem Jugendzentrum gemacht, wo russische und türkische Teenager aus einem Problemviertel viel Spaß beim gemeinsamen Billardspielen hatten. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft.

"Ich höre gerne zu, wenn die Jugendlichen mir von ihrem Stress mit Gleichaltrigen, mit den Eltern oder in der Schule erzählen und gebe ihnen Tipps", sagt Deniz, "Mich nervt das Klischee, dass aus Hauptschülern nichts werden kann. Jeder hat sein Talent!" Dafür ist Deniz selbst der beste Beweis. Auch er hat mit einem Hauptschulabschluss angefangen und sich mit einer ersten Ausbildung zum Sozialhelfer für die Erzieherausbildung qualifiziert. Und das, obwohl sein Vater wollte, dass er Industriekaufmann wird!

Die Jugendlichen haben Respekt vor Deniz, weil er voll hinter dem steht, was er macht. Weil er für sie ein Vorbild ist – auch wegen seiner Familie: Der Vater des 23-Jährigen ist Türke, die Mutter Deutsche. Nicht umsonst werden Erzieher/innen mit interkulturellem Hintergrund immer mehr gesucht. "Ich gebe den Jugendlichen meine eigenen Erfahrungen weiter", sagt Deniz, "Wie es bei mir gelaufen ist: schulisch, sportlich, familiär."

Sein Berufswunsch kommt nicht von ungefähr: Schon seit sieben Jahren macht er ehrenamtlich bei der Evangelischen Jugend in seinem Heimatort mit: "Da bin ich groß geworden, obwohl ich ursprünglich Moslem bin." Und ein gutes Team war genauso wichtig wie jetzt bei den Erziehern.

Neue Kitaplätze für ganz kleine Kinder

Nach den ersten beiden Ausbildungsjahren mit relativ viel Untericht und mehreren vier- bis sechswöchigen Pflichtpraktika paukt Deniz jetzt für die Prüfungen. Danach steigt er ins einjährige Berufspraktikum ein. Je nach Bundesland und Einrichtung ist die Erzieherausbildung unterschiedlich aufgebaut und es werden - auch nach einem mittleren Bildungsabschluss - unterschiedliche Vorbereitungsausbildungen gefordert. Fertige Erzieher/innen können außer in der offenen Jugendarbeit auch in der Erziehungshilfe oder mit jüngeren Kindern im Hort der Grundschule oder in der Kita arbeiten. Gerade dort sieht’s für den Berufseinstieg gut aus, Erzieher/innen werden gesucht! Denn Eltern und Politiker haben erkannt wie wichtig es ist, Kinder so wie früh wie möglich zu fördern. Für die unter Dreijährigen werden darum in den nächsten Jahren viele neue Kitaplätze eingerichtet.

"In Weiterbildungen bereiten sich die Erzieher/innen auf ihre neuen Aufgaben vor", weiß Antonie Schlee-Klingelmann, Deniz’ Lehrerin im Berufskolleg, "Sie können sich zum Beispiel auf Sprachförderung oder Musik spezialisieren." Kreativität ist gefragt! Aber der Beruf ist auch professioneller geworden: Die Talente und Fortschritte der Kinder werden heute genau beobachtet und in Protokollen aufgeschrieben.

"Ein Erzieher ist wie ein Coach: Er begleitet und stärkt Kinder und Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung", sagt Antonie Schlee-Klingelmann, "Dabei ist es ganz wichtig, jeden so anzunehmen wie er ist! Niemand soll umgemodelt werden." Zum Job gehört es, sich auf ganz unterschiedliche Menschen und Charaktere einzulassen - wie in jedem anderen sozialen und pflegerischen Beruf auch.


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